Monatskolumne

Jeden Monat schreibt hier ein Mitglied von Voxtasy, was uns bewegt, berührt hat oder über ein besonderes Erlebnis, das wir mit Ihnen teilen möchten.



September 2010

Etwas Fremdes näherbringen

 

Vor ein paar Tagen kam mein jüngster Sohn in der Nacht nach Hause, begleitet von einem kleinen Kätzchen, das ihm, über eine grosse Distanz nachgelaufen war. Und dies, ohne dass er es zuvor gestreichelt oder sonstwie gelockt hätte. Als grosse Tiernärrin wollte ich mir das Kleine natürlich genauer anschauen. Kaum näherte ich mich dem rotweiss-getigerten Katzenmädchen – es kann höchsten 4 Monate alt sein – begann es sogleich, sich an meine Beine zu drücken und danach auf den Rücken zu legen, damit ich seinen Bauch kraulen konnte: bei einer Katze das Zeichen für grenzenloses Vertrauen. Na sowas! Das ist aber wirklich ungewöhnlich, dachte ich. Dann beschnupperte sie den ganzen Hauseingangsbereich und verabschiedete sich in Richtung Nachbarn. Als das Kätzchen dann im Dunkeln verschwand und auch verschwunden blieb, vermutete ich, es hätte seinen Nachhauseweg angetreten. Ist gut so, sagte ich mir und ging ins Haus zurück. Doch ein Gefühl liess mich die Türe noch einmal öffnen – und da standen wir dann Beide, ich und das Katzenmädchen, vereint im Türrahmen. Mein Partner und ich beschlossen nun, das entlaufene Ding wieder zur Stelle zurückzubringen, von wo aus es meinem Sohn gefolgt war, in der Hoffnung, es würde sich dann wieder erinnern, wo es hingehörte. So standen wir dann um halb eins, mitten in der Nacht, auf diesem einsamen Parkplatz am Rande eines Quartiers und setzten das Büsi auf den Boden. Doch kaum waren wir zurück beim Auto, stand der kleine Racker wieder neben uns. Auch weiter ins Quartier reinzugehen oder den Augenblick zu nützen, wenn die Kleine auf den scheinbar vertrauten Bäumen herumturnte, führte stets zum gleichen Resultat. So nahmen wir sie halt wieder mit nach Hause und hofften, dass es mit unseren zwei Katern nicht Probleme geben würde. Zum Glück waren diese Beiden noch unterwegs und kamen nicht oder erst sehr spät nach Hause. Am nächsten Morgen fragten wir den Tierarzt, ob jemand seine Katze vermisse und schauten nach, ob sie einen implantierten Chip trägt. Beides mehr oder weniger ohne Erfolg. Damit die Kleine nicht in ein Tierheim muss, und weil wir katzenmässig ja optimal ausgerüstet sind, übernahmen wir die vorläufige Pflegestelle. Dem Katzenkind schien es egal zu sein, wo sie gerade ist, sie beanspruchte sogleich die Führung im Katzenhaushalt und fauchte die beiden Grösseren profilaktisch erst mal an. Was diese mit Irritierung und längerem Wegbleiben quittierten. Ist es nicht erstaunlich, wie einfach es doch zu sein scheint, mit Vertrauen zum Gegenüber und einer steten, aber unaufdringlichen Hartnäckigkeit, Dinge zu verändern und zu bewegen? Klar, im ersten Augenblick scheint das Kätzchen mehr zu profitieren, kann es doch auf flauschiger Decke schlafen, wird gefüttert, gestreichelt und gehätschelt, aber auch wir haben ja nicht unbedingt einen Schaden davon, obwohl im Moment die Terassentüren geschlossen bleiben müssen und einiges mehr an Betrieb herrscht, im Haus.

Vielleicht sollten wir dieses Katzenmädchen als Beispiel nehmen und beim nächsten Mal, wenn uns Mitmenschen etwas Fremdes näherbringen wollen, nicht gleich mit Distanzierung und Ablehnung reagieren, sondern einfach mal schauen, was sich daraus ergibt. Scheint ja nicht unbedingt schlecht zu sein, wie dieses Beispiel zeigt.


Yvonne

 



August 2010

„Wir schenken uns nix“

 

Eine Hitzewelle hat zeitweilig das Land lahm gelegt. Man weiss nicht mehr, was man weniger anziehen soll ohne als öffentliches Ärgernis angezeigt zu werden. Auch die kältesten Getränke, wärmsten Duschen und auf der höchsten Stufe laufenden Ventilatoren nützen nichts mehr. Dies ist nun schon ein paar Wochen her, und genau in dieser heissen Zeit haben wir Weihnachtslieder geprobt. Man stelle sich nun dieses Bild für Götter vor: Eine A Cappella Formation, welche im Schweisse Ihres Angesichts „In dulci jubilo“ und andere besinnliche Melodien singt. Dazu kommt, dass unser Probenraum eine grosse Türe zur Strasse hin hat. Klar, dass wir die Türe bei diesem Wetter nicht immer schliessen mochten. Ziemlich sicher, dass etliche sommerliche Spaziergänger überzeugt waren, dass es sich bei diesen Klängen um ein Treffen der AWLS handelt. AWLS heisst selbstverständlich: Anonyme WeihnachtsLieder Süchtige.

 

Nun gerade süchtig sind wir nicht geworden. Nach anfänglichen kurzen Lachanfällen während den Proben haben wir uns jedoch an diese Klänge gewöhnt – und mehr, sie sehr schätzen gelernt.

 

Nicht dass wir jetzt falsche Versprechen machen möchten, denn gerne haben wir auch provokativere Songs wie: „Umtauschen“,  „Wir schenken uns nix“ oder „Weihnachtsspeck“ einstudiert, um Ihnen unserem Publikum, auch die etwas speziellere Weihnachtskost zu servieren.

 

So muss es nun heraus: Ich mag Weihnachten – und sei es mitten im Sommer!

Ein fröhliches Ho, Ho, Ho!


Markus

 



Juli 2010

Pause

 
Eine Pause ist die zeitlich begrenzte Unterbrechung eines Vorgangs.
Sie kann in der Musik, während der Mittagszeit oder auch mal im Leben vorkommen. Eine Pause im Leben? Ja, wieso nicht. Sie gibt uns die Möglichkeit Altes über Bord zu werfen, uns für Neues zu öffnen und Platz zu schaffen, in Ruhe ein- und auszuatmen und Luft für die nächste Etappe im Leben zu holen oder uns zu orientieren, ob wir auf dem richtigen Weg sind.
Geniessen Sie die Juli-Pause und gönnen Sie sich erholsame Ferien. Nehmen Sie sich Zeit für ein Picknick mit Ihrem Liebsten oder schauen Sie wieder einmal den Sonnenuntergang an.

 
Putzen Sie ja nicht die Fenster zu Hause – das können Sie dann nach der Pause tun!

 

Marc

 



Juni 2010

La sera sper il lag - Der Abend am See und eine a cappella Freundschaft

 

Im Juli 2005 lernten wir am 2. a cappella Festival in Pfäffikon am Zürichsee die Bündner Gruppe Acavoce kennen, sechs quicklebendige Sängerinnen und Sänger, die mit einem beeindruckenden Tross von Familie und Freunden angereist waren. Es war der Beginn einer herzlichen Verbundenheit, bei der das Volkslied „La sera sper il lag“, d.h. „Der Abend am See“ eine wichtige Rolle spielt.

Es wurde damals tatsächlich ein langer Abend am See, der für die Zähen bis in die Morgenstunden dauerte - was können diese Bündner doch feiern! Als die „Meitlä“ beider Gruppen noch mittaten, baten wir Acavoce darum, uns das Lied beizubringen, das es uns besonders angetan hatte – eben „La sera sper il lag“. Bei diesem ergreifenden Abendlied werden selbst bei nüchternen Gemütern (hat an dieser Stelle nix mit Alkohol zu tun, ehrlich!) heimatverbundene Gefühle wach.

Seither gab es weitere fröhliche und sangesfreudige Treffen in Pfäffikon, Bern und Domat Ems. Bei keinem durfte das gemeinsame Singen von „La sera sper il lag“ fehlen.

Ende 2009 wurde dieses Lied, interpretiert von einem Chor, offiziell zur „Chanzun rumantscha“ gewählt, dem beliebtesten rätoromanischen Lied, es setzte sich gegen Popsongs und Rap durch.

Im vergangenen Mai richtete Domat Ems nach 2007 bereits das zweite a cappella Festival aus. Uns beeindruckt die grossartige Unterstützung der Domat Emser: die einen organisieren alles und - so unser Eindruck - alle anderen sind ein begeistertes Publikum. Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals herzlich bei Acavoce und den Domat Emsern für die tollen Tage und Nächte!

Eine besondere Begegnung fand am Konzert am Samstagabend statt: Acavoce hatte uns eine Viertelstunde vor Beginn unseres Auftrittes gefragt, ob wir „La sera sper il lag“ singen könnten, denn der Komponist Gion B. Casanova wäre anwesend und würde sich sicher freuen, wenn eine Berner Gruppe sein Lied interpretieren würde. Das brachte mich kurzfristig in Verlegenheit, denn unser musikalischer Coach hatte seinerzeit in meiner Stimme einige Passagen leicht geändert – wer wusste, wie der Komponist darauf reagieren würde?! – Nun, wir sagten das Lied in der Zugabe an, bedankten uns beim Komponisten und gaben unser Bestes beim Singen. Einige Minuten später betrat Gion B. Casanova unsere Garderobe, gerührt und froh dankte er uns für unseren Gesang. Ein bescheidener, pensionierter Lehrer und Musiker, der ein Gedicht von Flurin Camathias vertont hat, das an der Schulhauswand seines Dorfes steht und der nie damit gerechnet hat, dass sein Lied so berühmt werden würde. Ich glaube, genau diese Einfachheit und Ehrlichkeit machen die Kraft dieses Liedes aus und ich freue mich darauf, es wieder zu singen.


Susann

 



Mai 2010

Mai

Zu diesen drei Buchstaben entsteht die Kolumne und ich beschliesse: So kurz wie dieses Wort ist, so kurz soll der Text werden.

Mai – in mir tauchen viele Assoziationen auf.
 

MAI – ein Monat der Liebe?!
MAIkäfer – ein Monat der feinen Geräusche. (Der erste ist mir bereits begegnet.)
MAIerisli – ein Monat der intensiven Gerüche. (Die Maierisli im Garten erfreuen mich.) 
 
Mai – drei Gedanken als Beispiel aus der Fülle. Das Leben ist schön - „Beautiful that way“ tönt es in meinen Ohren. (zu hören auf der CD öppis purs!)
 
Bernadette

 



April 2010

Enthusiasmus für den Frühling

 

Als Erstes wollte ich eigentlich voller Enthusiasmus den Frühling begrüssen, aber dann habe ich das als „zu banal“ verworfen. Jedes Gespräch fängt im Moment eh mit diesem Thema an und mir vergeht langsam die Lust, darüber zu sprechen. Ich will ihn fühlen, schmecken, riechen, sehen und hören, dann erfahre ich ihn auch richtig und plötzlich erübrigt sich alles andere.....

Worte gehen nur bis zum Ohr, ich will Erfahrungen.


Aadhar

 



März 2010

Das Emotionen Obligatorium

 

In den vergangenen Tagen habe ich oft versucht, mir vorzustellen, wie es wohl wäre, der schweizerischen Delegation anzugehören. Man würde sicher viele interessante Leute kennenlernen, man hätte die Gelegenheit, sich mit Menschen unterschiedlicher Kulturkreise austauschen, man würde die prestigeträchtigen Orte auf dieser Erde besuchen, man könnte auf fachlichem Gebiet vielversprechende neue Kontakte knüpfen und würde von Medien aus aller Welt vielleicht nicht nur wahrgenommen, sondern womöglich sogar umworben. Ja, der Vorteile wären sicher viele.  

Doch trotz all dem bin ich nicht ganz unglücklich darüber, dass Singen, Beleuchten und (in meinem Falle) Beschallen bisher noch nicht in den Reigen olympischer Disziplinen aufgenommen worden sind.

Es wäre für mich nämlich eine grauenvolle Vorstellung, gleich nach Beendigung einer ausserordentlich gut gelungenen Darbietung bei ungefähr acht Medienstationen herumgereicht zu werden und krampfhaft zu versuchen, eine originell-kompetente Antwort aus mir herauszuquälen auf ebenso professionell-raffinierte Fragen wie zum Beispiel, was dieser Moment denn nun für mich bedeute, vor allem jetzt einmal von der emotionalen Seite her betrachtet, oder ob ich dieses Mal vor dem zweiten Lied ebenso oder vielleicht noch nervöser gewesen sei als vor vier Jahren, bei diesem denkwürdigen Problem mit der linken Lautsprecherboxe, oder was mir beim zweitletzten Refrain durch den Kopf geschossen sei, als ich den Kanalfader Nummer drei für vielleicht den Wert einer punktierten Zweiunddreissigstelnote zu früh runtergezogen hätte….

 

Und am Schluss des Interviews würde das hochauflösende Objektiv der Kamera einen meiner Augenwinkel anpeilen, dort unverschämt weit aufzoomen und unanständig lange verweilen, auf der Suche nach der halt immer noch begehrtesten, offenbar faszinierendsten Trophäe, die es einem Befragten unbedingt abzuringen gilt: einer kleinen Träne nämlich…

 
Michel

 



Februar 2010

Die Instant-Gesellschaft 

 

Als ich vor ein paar Tagen diese Schlagzeile sah, erinnerte sie mich zuerst an ein Päckchen Instant-Suppe. Das ist natürlich Quatsch dachte ich, merkte aber beim Lesen schnell, dass ich mit meiner Assoziation gar nicht so falsch liege. Erinnern Sie sich? Was früher die Schallplatte war: das vorsichtige Auspacken, das präzise Aufsetzen der Nadel, kein heftiges Auftreten auf den Boden weil sonst die Nadel aus der Rille sprang, das Stück bis zu Ende hören und die Platte dann wieder behutsam in die Hülle zurückschieben, ist heute der MP3-Player. Musik auf Knopfdruck. Wenn einem der laufende Titel nicht passt, springt man einfach weiter. Schneller Wechsel hat das Verweilen ersetzt. Bei der kleinsten Langeweile wird ein Titel abgewürgt und umgeschaltet. Genauso beim Fernsehschauen und beim Computer. Alte Liebesbriefe benötigten noch lange Reisezeiten, Ferienfotos wurden zum Entwickeln ins Geschäft gebracht um dann nach zwei Wochen endlich die Abzüge zu Gesicht zu bekommen. Wer Hunger hat, schmeisst einfach ein Fertigmenü in die Mikrowelle. Es scheint so, als löse sich die Tradition des Wartens auf. Warten gilt als verlorene Zeit. Kurzweiligkeit ist angesagt. Wenn man nicht sofort einen "Kick" serviert bekommt, ist man im nächsten Moment schon wieder woanders. "Immer alles sofort bekommen schmälert den Genuss". Ich mag keine Instant-Suppen!!!
 
Ich werde heute meinen alten Plattenspieler aus dem Keller holen ...

 

Yvonne

 



Januar 2010

Häppy new year Adnan Sami! 

 

Mit diesen Worten wurde ich zum neuen Jahr in einem Restaurant begrüsst, welches ich  des öfteren besuche. Vielleicht mag sich die eine oder andere wundern, was denn dieser Name mit mir zu tun habe. Ich wundere mich schon nicht mehr  und habe mich auch schon daran gewöhnt so genannt zu werden. Im späteren Verlauf des Jahres 2009 wurde ich von einem indischen Kellner in eben diesem Berner Restaurant angesprochen, der meinte,  ich gleiche unglaublich diesem  Adnan Sami. Der sei in Indien ein Sänger und dabei eine ganz grosse Nummer. Das mit der ganz grossen Nummer hat mir schon ein wenig  geschmeichelt. Als ich dann auf you tube mal geschaut habe, wie der Adnan Sami denn so live aussieht, musste ich zugeben, dass eine gewissen Ähnlichkeit nicht zu leugnen ist – was die Körperfülle betrifft, könnte er durchaus mein kleiner Bruder sein .

Seitdem versuche ich doch ab und an die grazilen Tanzbewegungen des Adnan Sami zu imitieren.  Die Kellner freuen sich auf alle Fälle jedes Mal, wenn ich Ihnen meine Fortschritte zeige. Falls ihr mich also im 2010 vermisst, könnte es sein, dass ich in Indien eine ganz grosse Nummer geworden bin.

Auf dass wir im 2010 alle unsere Adnan Sami’s finden, welche uns zu neuen Höhenflügen inspirieren.

 

Peace, Groove & Seashells

 

Markus –Adnan Sami-Kocher

 



November / Dezember 2009

Mit Voxtasy unterwegs
 

Ein intensives Wochenende mit Voxtasy steht bevor: Konzert am Samstag  in Herzogenbuchsee: da wird’s spät. War dort aber letztes Mal sehr schön – und allein wegen der  Schoggi Mousse spätnachts lohnt es sich. Am Sonntag um 8.30 dann Abfahrt nach Dachau bei München. Doppelkonzert mit Viva Voce. Dachau? Ach ja: da war ein KZ. Wie wird an einem solchen Ort wohl die Stimmung sein?

Ich bin müde, hätte gern mal ein freies Wochenende, meine Ruhe!

Mein Patchwork-Arbeiterinnen-Dasein fordert mich bis an – und oft über die Grenzen: neben Voxtasy 20% Coaching für Schauspiel und Rundgangleitung bei StattLand, 20% Theaterpädagogik am Institut für Weiterbildung der PHBern, dann Wiederaufnahme-Proben mit dem Puppentheater „E vogufreii Chatz und e bärestarchi Muus“, Stimmbildung bei einem Chor und Einzelstunden, das bisschen Haushalt nicht zu vergessen. Alles Aufgaben, die ich meist gerne tue. Ich kann von meiner künstlerischen Arbeit leben! Ich habe meine Träume realisiert!

Das hat nun mal seinen Preis.

Ich hätte gern meine Ruhe an diesem Wochenende.

Stattdessen drei Tage Voxtasy, davon gute 14 Stunden gemeinsame Fahrt im Bandbus. Heizung und Lüftung, die meine Schleimhäute plagen. Und Lärm - nicht nur vom Motor.

Voxtasy ist eine extrem kommunikative Gruppe, mit Ruhe sieht es da schlecht aus.

Der Abend in Herzogenbuchsee weckt bei uns sehr gemischte Gefühle und führt zu intensiven Diskussionen. Schoggi Mousse gibt’s auch keine mehr ;-( In Dachau fühlen wir uns sehr willkommen. Ein reizendes Städtchen mit Menschen, die durch die offensichtliche Präsenz eines dunklen Kapitels der Geschichte sensibilisiert sind für Begegnungen mit anderen Menschen.

Und es sei an dieser Stelle mal gesagt: wir geniessen das deutsche Publikum, da kommt sofort viel Energie und Offenheit, ja Herzlichkeit zurück. Das tut gut. In der Schweiz spüren wir oft nicht, wie das ankommt, was wir da auf der Bühne gerade tun.

Apropos Ankommen: Ein Dauchauer Journalist befand uns in seiner Kritik zwar für gut, aber „wenn man Vorurteile bedienen möchte: schweizerisch bieder“ – und so sind auch wir wieder in den Senkel gestellt.

Nun ja, „dem stürmischen Applaus für die fünf Sunnyboys von Viva Voce“, die vor jugendlicher Energie sprühen und nichts anderes mehr tun ausser Singen, kann ich als eins der „eidgenössischen Goldkehlchen“ tatsächlich fast „nur neidvoll hinterher blicken“ (Zitate aus merkur-online.de). Auch dieser Erfolg hat seinen Preis, wie wir von den sympathischen Jungs bei Pizza und Weissbier gegen Mitternacht erfahren haben.

Übrigens: Die intensiven Diskussionen über den Auftritt in Herzogenbuchsee beim Frühstück in Dachau und auf der Heimfahrt haben Voxtasy wieder einmal zusammen geschweisst. Ich bin sicher, die Qualität unserer Auftritte steigt dadurch.

Die gemeinsame „Extrazeit“ der kurzen Deutschlandtour hat mir Energie gegeben und die Lust dran zu bleiben.

Bald reisen wir wieder Richtung München, diesmal an ein Festival.

 

Ich bin gern mit Voxtasy unterwegs.

 

Susann

 



September / Oktober 2009

Höher - Schneller - Stärker

 

Streben nach exorbitanten Gewinnen an den Aktienmärkten! Weltrekord im 100m Sprint! Erfolg, Karriere, Familie und soziales Engagement – alles unter einem Hut!

Wir streben immer nach noch mehr im Leben. Haben diese Modelle eine Zukunft?

Sollten wir nicht eher wieder einmal unseren gesunden Menschenverstand einschalten, das Doping weglegen und mehr auf unseren Körper hören und dessen natürliche Grenzen respektieren, unsere Schwächen auch als Bestandteil des menschlichen Seins akzeptieren?

 

Ich sehne mich nach Ruhe, Atem und Geborgenheit.

 

öppis purs bietet Ihnen ebenfalls die Möglichkeit sich hinzusetzen, einen Augenblick zu verweilen und innezuhalten, zuzuhören, zu geniessen und zu atmen.

Wollen Sie sich dieser Versuchung wirklich entziehen?

 

Marc

 



August 2009

Ferienzeit

 

Entspannen - Neues entdecken - geniessen.
Nun sind meine Ferien vorbei.
Entspannen? Neues entdecken? Geniessen?

Auch in der ferienfreien Zeit möchte ich dies tun können!
Jeden Tag "äs Bitzäli"!

 

Bernadette

 



Juli 2009

Über das Älterwerden

 

Was bedeutet das überhaupt, wenn man so vor sich hin sagt: „Jaja, man wird älter.“ ?

 

 

Erstens hört man selten, dass jemand sagt: „Ich werde älter.“, es ist immer „man“, der älter wird. Weshalb wohl? Und wer ist überhaupt dieser „man“?
Zweitens dient dieser Spruch häufig als Entschuldigung für eine Schwäche, selten bringt man ihn mit einer Stärke in Verbindung.

Also: Ich werde älter. Schon seit über 59 Jahren werde ich dauernd älter. Na und?! Bin ich deswegen müder oder träger geworden? Nein, denn ich war schon immer ein fauler Hund. Bin ich deswegen ruhiger geworden? Nein, ich bin immer noch der gleiche „Zwaschpel“ wie mit 14. Was neu ist, nenne ich - in der mir eigenen Bescheidenheit - den „weisen Überblick“. Mit anderen Worten: Ich bin der Erleuchtung um einen winzigen Schritt näher gekommen. Allerdings müsste ich bei gleichbleibendem Tempo etwa 250-jährig werden, um das ersehnte Ziel zu erreichen. Aber dieser „weise Überblick“ gibt mir ein wenig mehr Klarheit darüber, was in mir und um mich herum im Moment läuft.

Zum Beispiel, wenn VOXTASY - wie jetzt gerade - im Begriff ist, ein neues Programm in Angriff zu nehmen. Das bedeutet gute 15 Monate Vorbereitungszeit mit gemeinsamer Konzeptarbeit, Finanzplanung, Erlernen von mindestens 15 neuen Songs, Einstudieren von Inszenierung und Choreographien, unzählige Stunden im Studio zum Aufnehmen und anschliessend Fertigstellen der gleichzeitig geplanten CD und dann, nach Première und CD-Taufe, ca. 2-3 Jahre mit möglichst vielen Engagements.

Und plötzlich merke ich: Eigentlich will ich nicht mehr so massive, schwere Schuhe anziehen, wenn mir doch viel mehr nach Barfusslaufen im warmen Sand zumute ist...

Deswegen suchen wir ab sofort meinen Nachfolger.

Sein Anforderungsprofil: Er sollte nachlässig und unkonzentriert sein, häufig dieselben Witze erzählen, auf keinen Fall Notenlesen können, auf der Bühne entweder abwesend sein oder linkisch. Ach ja... und Bass singen sollte er auch noch ein wenig können, aber nicht zu gut. Das ist keine leichte Aufgabe... Aber Spass beiseite! Hauptsache ist, dass VOXTASY weiter existiert, denn es wäre doch schade um alles, was wir bisher erreicht haben! VOXTASY ist nämlich auch ein wenig mein Kind und das wird so bleiben. Kinder möchte man wachsen sehen und gedeihen und sie auch aus der Ferne begleiten. Darum stehe ich bis auf Weiteres für alles bis jetzt Erarbeitete zur Verfügung, so dass sich mein Nachfolger sanft einarbeiten kann, und damit sich für euch, liebe VOXTASY-Fans, ein nahtloser Übergang ergibt.

Ihr seht, es wird spannend bleiben bei uns und ihr könnt auch weiterhin voll auf uns zählen.

Bei VOXTASY erlebt Ihr immer das Besondere: öppis voxtatisches.

Bis bald

 

Aadhar

 



Juni 2009

Es gibt immer jemanden ...!

 

Vor einigen Wochen, als der Frühling erwachte und die Natur mit ihrer gewaltigen Schaffenskraft überall wieder neues Leben hervorbrachte, verspürte auch ich den Drang, etwas Neues, noch nie Dagewesenes zu kreieren. Ich setzte mich also hin, richtete meinen Blick schräg nach oben, und da wurde ich auch schon ergriffen von meiner Inspiration, die mir die folgenden Zeilen einflüsterte:

Verpenk! Verpenk! Lim ahnden Gilst
fin numenden Amftel, grönenden Hülst.
Len kaften ir undermin Keiren en dennen,
bir ehn dan kuhf, wier doftinen Lännen.
Ven darigem Kleft, wan prüspigem Tenk
Kass eimferen Dahn – men öhen…..Verpenk!

Als ich dieses wunderschöne Frühlingsgedicht voller Stolz dem literarisch gebildetsten meiner Freunde zur Beurteilung vorlegte, meinte der nur knapp: „Tja, das erinnert mich doch an Christian Morgenstern; der hat vor etwa hundert Jahren mit seinen Galgenliedern auch schon so was gemacht.“
Sie können sich sicherlich meine tiefe Enttäuschung vorstellen. Jaja, es gibt immer jemanden, der es schon erfunden hat oder der es besser kann. In solchen Fällen drohender Resignation greife ich jeweils auf eine eigens von mir entwickelte Therapie zurück, die zwar einer genaueren klinischen Prüfung kaum standhalten würde, die aber trotzdem recht wirksam ist und die ich Ihnen weiterempfehlen möchte: ich nenne sie gerne die „Ach-was-solls-Methode“. Gemäss ihrer Bezeichnung verwirft man kurz die Arme und sagt laut: „Ach, was solls!“
Für diejenigen unter Ihnen, die nicht soviel Zeit investieren möchten, können auch einfach „Item!“ sagen. Achten Sie aber auf alle Fälle darauf, dabei die Schultern kurz hochzuziehen!

  

Herzlich, Michel, verantwortlich für Technik und Ton
 



Mai 2009

Die Dinge sind nie so wie sie sind,
sie sind immer das, was man aus ihnen macht.

 

Denken Sie nur schon an so was Einfaches wie die Kartoffel. Ist doch wunderbar, dass wir aus dieser Knolle Kartoffelstock, Gnocchi, Suppen, Aufläufe und viele andere Sachen machen können. Genauso verhält es sich mit der Kakaobohne. Wer hätte je gedacht, dass dieses kleine Ding die Grundlage ist für all die sündhaft guten Pralinés, Schokoladentorten, heisse Schoggi, Schokoladenguetzli, Schokoladencrème, Osterhasen, Kirschstengeli ...
Seufz, wenn ich an meine Kilos denke!! Besser hat es da die Raupe. Die darf fressen und fett werden soviel sie will. Schliesslich verwandelt sich dieser hässliche Wurm nach dem Verpuppen in ein wunderschönes Wesen. Ich verwandle mich leider nur in ein schöneres Wesen, wenn ich nicht so viel futtere. Aber lassen wir das.
Was hat das alles denn mit Voxtasy zu tun? Nun, wir sind ja in der Musik nicht gerade verwöhnt. Ganze zwölf Töne haben wir zur Verfügung. Trotzdem gelingt es Musikern auf der ganzen Welt immer wieder, wundervolle, berührende, lustige und auch traurige Musik daraus zu kreieren. Voxtasy wiederum versucht aus dem Bestehenden etwas Eigenständiges zu machen und so bleibt nichts, wie es war.

 

Die Dinge sind nie so ...

 

Yvonne 



April 2009

„Ich singe hier und kann nicht anders!“

Jawohl, auch wir spüren die Krise. Firmen streichen Kulturbeiträge an ihren Anlässen. Privatpersonen gönnen sich, wenn sie denn schon mal ausgehen, eher einen Eintritt zu einem Grossevent als ein Konzert in einem Kleintheater. Wir gehören eindeutig zur Kleinkunst. Nur am Rande bemerkt: mir ist absolut uneinsichtig, wieso ich mit meiner ganzen Stattlichkeit unter Kleinkunst fungieren sollte.  Ich sehe mich eher als Grossevent.

Gleichzeitig erleben wir eine der intensivsten Phasen in der Geschichte von Voxtasy. Wir verbrachten eine unglaublich produktive und intensive Zeit auf dem Schloss Wartegg, wo wir unsere CD öppis purs aufgenommen haben. Wir sind daran, die CD öppis purs in Produktion zu bringen und als Konzertprogramm bühnentauglich zu erarbeiten. Bereits haben die konzeptionellen Vorbereitungen zu einem brandheissen, neuen Programm begonnen, das im Herbst 2010 herauskommen wird. Brandheiss darum, weil wir alle heiss darauf sind, Neues und Weitergehendes für uns zu finden und auf die Bühne zu bringen.

Nein, Vernunft gehört wahrlich nicht zu unserer ersten Natur und leben können wir von Voxtasy noch immer nicht. Voraussichtlich wird sich die Krise noch verschärfen, die Talsohle ist noch nicht erreicht. Wissen Sie was: Wir scheren uns keinen Deut darum. Nicht, weil wir nicht auf unsere Einkünfte angewiesen wären. Nicht, weil wir das Geldverdienen aus ethischen Gründen prinzipiell ablehnen würden.  Ich realisiere in dieser unbequemen Zeit ganz einfach, dass sich die Frage der Vernunft oder monetären Rendite für mich nicht mehr stellt. Ein Stück weit erschreckend aber gleichzeitig beruhigend ist es mir darüber klar zu werden, was mir und uns allen wirklich am Herzen liegt. Und drum:

„Wir singen hier und können nicht anders!“

 

Markus
 



März 2009

Im Frühling vor sieben Jahren vervollständigte Marc mit seinem Bariton die a cappella Gruppe, die heute Voxtasy heisst. Er war es auch, der in jenem Sommer den Namen Voxtasy vorschlug nach einer ersten gemeinsamen Probenwoche. Diese Woche intensiven, fröhlichen und arbeitsamen Zusammenseins brachte uns als Gruppe einen wichtigen Schritt voran und veränderte auch private Konstellationen grundlegend: Seither sind Markus und ich ein erfrischend ungleiches und glückliches Paar.

Im Frühling vor sieben Jahren verbrachte ich zum ersten Mal einige Tage im Schloss Wartegg am Bodensee. Ich hatte mich dorthin zurückgezogen, um für meine Schülerinnen und Schüler, basierend auf ihren Ideen und Rollenwünschen, ein Theaterstück zu schreiben. Ich genoss die Wartegg mit ihrer eleganten Schlichtheit und mit ihrer Ruhe, die konzentriertes Arbeiten so gut unterstützt. Ich genoss das feine Essen so bewusst wie selten.

Hier hatte ich einen Ort gefunden, der mir entspricht – nicht zuletzt auch durch seine ökologische Ausrichtung. Mit Christoph Mijnssen, dem Schlossherrn begann ich einen inspirierenden Austausch über Theater, Pädagogik und Musik.

Im Frühling nach sieben Jahren nehmen wir nun mit Voxtasy im Schloss Wartegg unsere zweite CD auf. Wir freuen uns sehr auf die Aufnahmewoche: Neben dem Ort mit seiner Atmosphäre und seinen freundlichen Gastgebern unterstützen uns Robin Adams als Coach für unsere Stimmen und unsere Musik, sowie Ralf Kleemann als Aufnahmeleiter mit seinem mobilen Tonstudio und seinem feinen Gehör.

Eine wunderbare Ausgangslage für unser neues Werk: öppis purs.

 

Susann
 



Februar 2009

Ein Seifenspender ist ein Behälter, der entweder flüssige oder kleingemahlene trockene Seife enthält und auf Druck mit Hilfe eines Pump-, Dreh- oder anderen Mechanismus dosiert. Sie fragen sich jetzt sicher zu recht, was dies mit a cappella Musik zu tun hat? Als Band reisen wir viel herum und bekommen zahlreiche Toiletten von Autobahnraststätten, Hotels, Konzertsälen, Kulturlokalen und Restaurants zu Gesicht. Wir geben an dieser Stelle zu, dass diese Orte von uns verglichen werden und jeder sich sein eigenes Bild davon macht;-). Für den einen ist das Essen wichtig, für die andere das Hotelzimmer, für den dritten die Gastfreundschaft der Veranstalter und für die vierte die Akustik des Konzertlokals. Für mich zählt der Seifenspender. Er ist für mich ein kleines Indiz, wie viel Liebe zum Detail an einem Ort gepflegt wird.


Marc

 



Januar 2009

Ein neues Jahr hat begonnen. 2009.

Am Anfang achte ich noch auf das Neue: die Neun steht jetzt anstelle der Acht.

2009 - schnell wird das Schreiben der Neun zur Routine.

Und trotzdem ist jeder Tag neu. Dies wird mir auch immer wieder bewusst, wenn wir an einem neuen Ort ein Konzert haben.
Ein neuer Ort bedeutet: neue Räume in Grösse und Höhe, Form und Farbe, Innenaustattung und 
Lichtquellen.....

So freue ich mich auf viele neue Orte und Begegnungen in diesem Jahr 2009.

 

Bernadette, verantwortlich für Beleuchtung und Regieassistenz

 



Dezember 2008

Wenn im Wald ein Baum umfällt und keiner hört zu, macht er dann trotzdem ein Geräusch ?

Es bedarf eines Ohres, um ein Geräusch wahrzunehmen, das ist schon mal klar. Aber geht dieser Laut nur bis zum Ohr, oder erreicht er noch andere Wahrnehmungen? Vielleicht das Herz…..?

Das Schönste, was mir bei einem Konzert geschehen kann ist, wenn ich das Gefühl habe, jemanden erreicht zu haben, eine Reaktion ausgelöst zu haben. Ein Mensch hat zugehört, hingehört und gefühlt. Was will ich noch mehr ?

 

Aadhar